Dirk Hordorff: "Der Werbewert von Challengern und Future ist deutlich unterbewertet"

Dirk Hordorff ist Vizepräsident des DTB, zuständig für die Leitung des Ressorts III (Spitzensport, Ausbildung und Training).



Dirk, Rudi Molleker ist aktuell der einzige Deutsche im ATP Ranking, der unter 20 Jahre alt. In der Junioren Weltrangliste findet man den ersten Deutschen erst auf Rang 107.
Reden wir hier von einer normalen Schwankung oder ist es in einem Wohlstandsstaat einfach schwerer den Nachwuchs für den Spitzensport zu begeistern und wie kann man als Verband gegensteuern?
Im deutschen Tennis haben wir jahrelang nicht die notwendigen Ressourcen gehabt, um den Nachwuchs ausreichend zu unterstützen. Diese Schwächeperiode aufzuholen ist nicht in kurzer Zeit möglich. Wir haben mit dem DOSB mittlerweile begonnen, Strukturen aufzubauen, die langfristig Erfolge bringen sollen.
Rudi Molleker entwickelt sich sehr gut, hat sich auf den ersten beiden Grand Slam Turnieren in Australien und Paris für das Hauptfeld qualifiziert. Und wir dürfen nicht unerwähnt lassen, dass mit dem 21 Jahre alten Alexander Zverev wir den aktuellen ATP Weltmeister in Deutschland haben.

Die Reformen bei den Herren durch die Abwertung der ITF World Tour, bei deren Einstiegs-Turnieren mit 15.000 Dollar Preisgeld man keine Punkte mehr für die ATP Weltrangliste erspielen kann, sorgt für großen Ärger und Frust bei den Nachwuchsspielern. Wie positioniert sich dort der DTB und kann er überhaupt etwas dafür tun, dass sich Änderungen wieder zurücknehmen lassen?
Der DTB hat von Beginn an sich klar positioniert und darauf hingewiesen, dass diese Reform Tennis schaden wird und auf die Gefahren hingewiesen. Viele andere Länder haben sich unserem Standpunkt angeschlossen.
Und wir sind froh, dass am 23.5.2019 ITF, WTA und ATP notwendige Korrekturen beschlossen haben. Noch in diesem Jahr wird es wieder WTA und ATP Punkte bei ITF Turnieren geben und Ende Juli werden die Ranglisten umgestellt. One Ranking, mehr Spielmöglichkeiten ist das, was der DTB gefordert hatte. Und das ist jetzt beschlossen worden.
 
Der DTB macht im Oktober selbst ein Challenger. Was gab den Ausschlag einmal selbst Veranstalter sein zu wollen?
Hamburg hat sich als 15 k Future in den letzten Jahren hervorragend entwickelt. Und mit der Unterstützung der Stadt Hamburg und Tannenhof als Sponsor haben wir gemeinsam entschieden, einen weiteren Schritt für die Entwicklung dieses Turniers zu gehen. Das gibt uns auch die Möglichkeit, die Wildcard für den deutschen Nachwuchs zur Verfügung zu stellen.

Wie siehst du den DTB im Vergleich zu anderen Nationen bei der Turnierlandschaft international aufgestellt?
Wir haben sehr gute ATP und WTA Turniere in Deutschland. Leider wurde mit dem Wegfall der Premier Lizenz in Berlin bei den Damen und dem Verlust der 1000 Lizenz in Hamburg die Premium Events in Deutschland verloren. Andere Länder erkennen und wertschätzen Tennisveranstaltungen, wir in Deutschland hinken da weit hinterher.
Bei allem Respekt: Aber wenn eine Stadt einen Musikevent an einem Tag mit mehr als 20 Millionen unterstützt, eine Tour de France Start mit vielen Millionen für einen Tag finanziert, aber dann das eigene traditionell jahrelang stattfindende Tennisturnier nicht ausreichend unterstützt und verliert, muss man schon Zweifel an solchen Entscheidungen haben.
Es wäre wichtig, bei den Challenger und ITF Turnieren bei den Damen und Herren noch mehr Unterstützung von den zuständigen Regionen zu erhalten. Dieses ist in anderen europäischen Ländern stärker vorhanden. Der Werbewert dieser Veranstaltungen, die positiven Auswirkungen für Tourismus und Wirtschaftsentwicklung wird bei Tennisveranstaltungen noch deutlich unterbewertet.

Wie viele Challenger sollte ein Land wie Deutschland eigentlich deiner Meinung nach haben?
Deutschland hat im Sommer eine gute Challenger Landschaft. Wichtig wäre es, dass wir im Winter mehr Turnierangebote, sowohl im ITF wie im WTA/ATP Bereich haben. Aber aufgrund der Infrastrukturkosten, Hallenkosten, geht das ohne öffentliche Unterstützung kaum.

Wenn du den optimalen Spieler kreieren dürftest? Welche Eigenschaften würde er haben?
Na ja, von Nadal den Kampfgeist und die Vorhand, von Federer die Leichtigkeit und den Service, und von Novak die Rückhand und Körperstabilität. Und bei den Damen von Williams den Aufschlag und die Vorhand und von Angie die Beweglichkeit und Rückhand.

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