Heiko Hampl: "Die ATP Challenger sind wie Gladiatorenkämpfe"

Jutta Steinruck, Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen
Ralph Haselhorst (Vice President BASF), Heiko Hampl (Veranstalter), Frank Stauder + Nicolas Fink (Vorstand BASF TC), Michael Cordier (LUKOM) ,Thomas Gerling (Sportamt), Jutta Steinruck (Oberbürgermeisterin), Roland Müller (Prokurist Württembergische)

In 10 Wochen fliegen die ersten Bälle beim ATP Challenger in Ludwigshafen – kurz LUC. Wie weit bist du in den Vorbereitungen?
Ein großer Schwerpunkt soll die Familienfreundlichkeit von LUC sein, sowie eine ökologische Nachhaltigkeit, die zum Beispiel durch die Einbindung des ÖPNV sichergestellt wird. Man kann also mit dem Ticket am Veranstaltungstag den ÖPNV des Rhein-Neckar Verkehrsverbunds nutzen https://www.vrn.de/tickets/tarifsystem/wabensystem/index.html
Außerdem hat man mit dem Ticket an diesem Tag freien Eintritt im benachbarten Freibad. Eine coole Idee des Turnierbeirats, wie ich finde.

Der Kalender für den Juli wurde durch die ATP gerade veröffentlicht. LUC ist weltweit das einzige Challenger in den ersten 7 Monaten des Jahres, das ein 56er Hauptfeld spielt, warum?
Die Genehmigung durch die ATP ist ein großes Lob an den Vorstand des gastgebenden BASF TC Ludwigshafen und die neu geschaffene Infrastruktur im Verein. Diesem Vertrauensvorschuss wollen wir gerecht werden. Die Anlage gibt die Feldgröße her und auf der Suche nach sinnvollen Alleinstellungsmerkmalen, sind wir eben beim 56er Draw fündig geworden. Wir werden weltweit das einzige Challenger mit zwei ATP Supervisor sein. Stephane Cretois und Hans-Jürgen Ochs kommen, was uns sehr freut, denn „HaJü“ Ochs ist ja eher bei den großen Turnieren wie Rom und Madrid unterwegs.

Ihr habt dann auch eine Wildcard mehr, richtig?
Ja, das stimmt. Vincent Schneider vom BASF TC wird die sechste WC bekommen. Vielleicht kann er als Lokalmatador ähnliches leisten wie Benny Hassan in Koblenz und die Anlage mit heimischen Fans füllen und für eine Überraschung sorgen.

Du sprichst die Anlage an. Worin liegen die Unterschiede zu Marburg?
Die beiden Vereine kann man letztlich nicht vergleichen. Wenn alle Umbauarbeiten fertiggestellt sind, verfügt der BASF TC über eine Anlage, die seinesgleichen sucht. Ich bin vorgestern durch die neu gebaute Etage mit dem rundum verglasten Seminarraum gelaufen, der den Blick von oben auf den Center Court freigibt. Das ist einfach alles richtig schön geworden und gibt dem Turnier tolle Möglichkeiten, aber natürlich auch dem Verein an sich.
Der Reiz in Marburg lag ja immer in der Umgestaltung der Anlage und wenn die Palmen kamen, hatte man sofort dieses Urlaubsgefühl. Der Aufwand war aber auch gewaltig. Ich bin froh nicht wieder 1500 qm Teppich auf zwei Tennisplätzen verlegen zu müssen.

Worin unterscheidet sich die Arbeit sonst zu den Marburg Open?
Die Wahl des Standorts ist unglaublich wichtig. Wenn Politik, Wirtschaft, Verbände, Vereine und weitere Institutionen motiviert sind, hat man eine solide Basis geschaffen. Im Fall von LUC ist der  Funke in all diesen Bereichen übergesprungen und man spürt wie die Dinge dann vorangehen können. Wichtig ist natürlich auch, dass man merkt wie das Netzwerken in der Metropolregion Rhein-Neckar gewünscht und gelebt wird. Das war vielleicht der größte Standortnachteil in Marburg, weil man im Landkreis kaum Chancen hatte, Partner zu finden und richtiges Netzwerken einfach nicht zu Stande kam, obwohl wir mit Patrik Kühnen immer sehr schöne Events hatten.
Ansonsten ist es für mich wichtig weniger, aber dafür größere Sponsoren zu finden. Wenn man ein Turnier in seiner Heimat macht, läuft man vielen Sponsoren im alltäglichen Leben über den Weg und kann einen Deal auch mal zwischen Tür und Angel machen. Das geht in Ludwigshafen natürlich nicht. Zum Glück werde ich dort fantastisch von der Oberbürgermeisterin Jutta Streinruck, Sportamtsleiter Thomas Gerling, dem Vorstand des BASF TC und der LUKOM unterstützt.

Wie siehst du die aktuelle Diskussion um die Reformen auf ITF Future und ATP Challenger Ebene?
Die Auswirkungen sind desaströs für die Spieler ab Position 300 – 350. Im Winterhalbjahr kommst du praktisch in kein Hauptfeld rein. Es ist eben wie bei vielen anderen Weltverbänden auch. Man hat nicht das Gefühl, dass bei dieser Reform der Sport im Vordergrund stand. Hoffentlich ist es nur ein Übergangsjahr, aber auf jeden Fall ist es ein verlorenes Jahr für die Nachwuchsspieler.


Bei den Australian Open hatte man das Gefühl, dass die Next Gen doch noch einen erstaunlich großen Abstand zu Nadal und Djokovic hatte. Hat dich das auch überrascht?
Man kann salopp feststellen, das Tsitsipas von Nadal im Halbfinale paniert wurde. Mag sein, dass die großen drei mit einer anderen Selbstverständlichkeit in große Grand Slam Matches gehen, eben weil sie schon so oft in diesen Situationen erfolgreich waren. Aber die jungen Spieler müssen sich noch mehr pushen, um die Lücke zu schließen. Ich finde es lustig, wenn einer mal ein gutes Turnier spielt und beim nächsten früh ausscheidet, dann wird immer von Müdigkeit gesprochen. Federer ist fast 38, hat vier Kinder, Sponsorentermine en Masse und performt so wie man es eigentlich von der nächsten Generation erwarten sollte.
Ich fand das Interview von Wilhelm Bungert zu seinem 80. Geburtstag treffend, der letztlich anmahnt, dass die DNA eines Spielers auf dem Platz sichtbar sein sollte und nicht durch Schlaghärte bzw. Athletik komplett ersetzt wird. Ich fände es schön wieder mehr Taktik, Spielwitz und emotionale Intelligenz bei den Matches wahrzunehmen und glaube, dass diese Fähigkeiten den jüngeren Spielern bisher noch etwas abgehen.

Worauf freust du dich selbst am meisten beim ersten LUC?
Die Anlage ist für ein Challenger absolut traumhaft und lädt zum Verweilen ein. Die ATP Challenger sind wie Gladiatorenkämpfe, am Ende bleibt einer übrig und ich hoffe, dass die Zuschauer den BASF TC für eine Woche zum stimmungsvollen Kolosseum für Tennisspieler verwandeln. Es soll natürlich kein Blut vergossen werden außer der Spieler wirft sich nach jedem Ball. Wir wollen Emotionen und Leidenschaft auf dem Platz sehen. Quiet please! Das war gestern. Ich habe das Gefühl, LUC wird ne runde Sache!